Es gibt Tage, an denen ich Kinder beobachte.
Wie sie etwas in die Hand nehmen, drehen, wenden, fallen lassen, wieder aufnehmen, beobachten, nachahmen.
So selbstverständlich. So frei.
Und dann frage ich mich:
Wann habe ich aufgehört, so zu lernen?
Wann habe ich begonnen, mir zu merken, wie etwas „zu sein hat“?
Vielleicht geht es dir ähnlich.
Vielleicht spürst auch du manchmal diese feine Sehnsucht nach einem inneren Raum, der längst zu eng geworden ist.
Ein Raum, der früher einmal offen war – wie ein Feld ohne Grenzen.
Was bleibt von uns, wenn wir alles Erwartete ablegen?
Wir kommen frei auf die Welt.
Zumindest innerlich.
Unser Körper braucht Nähe, Schutz, Wärme – doch unser Wesen ist weit.
Unberührt noch von den Spuren anderer Leben.
Und dann wachsen wir hinein in eine Welt voller Vorstellungen.
Elterliche, gesellschaftliche, schulische.
Vorstellungen davon, wie man ist, wer man sein sollte, was dazugehört, um geliebt zu werden.
Wir wollen dazugehören.
Wir wollen Anerkennung.
Wir wollen Liebe.
Und so lernen wir früh, uns zu formen und uns passend zu machen.
Gerald Hüther beschreibt es so treffend: Alles, was lebt, lernt.
Und Kinder lernen auf eine Weise, die wir Erwachsenen fast vergessen haben:
Sie lernen durch Tun. Durch Probieren. Durch Staunen.
Sie lernen frei.
Doch sobald ihr natürliches, lebendiges Lernen nicht in ein System passt, beginnen sie, ihr inneres Feuer zu dämpfen.
Sie übernehmen die Vorstellungen der Erwachsenen – Vorstellungen, die oft eng sind, geprägt von eigenen Verletzungen, von Vergangenheit, von Angst.
Vielleicht ist das der Moment, in dem wir uns selbst verlieren.
Nicht abrupt.
Sondern still.
In kleinen Entscheidungen, in Anpassungen, in dem Wunsch, richtig zu sein.
Und irgendwann sitzen wir da, als Erwachsene,
mental geprägt, voller Regeln und innerer Grenzen,
und fragen uns:
Was kann ich überhaupt noch frei entscheiden?
Habe ich mich selbst in diese Abhängigkeiten hineingelebt?
Kann man in einer Gesellschaft wirklich frei sein?
Die Wahrheit ist vielleicht unangenehm, aber befreiend:
Wir sind unfrei, solange wir uns mit dem identifizieren, was andere in uns hineingelegt haben.
Erst wenn wir beginnen zu reflektieren, zu fühlen, uns zu erinnern – löst sich etwas.
Menschen nehmen es oft in Kauf, „bis zum Hals im Dreck zu stehen“,
anstatt etwas zu verändern.
Nicht aus Schwäche.
Aus Sicherheit.
Sicherheit fühlt sich vertraut an – selbst wenn sie uns begrenzt.
Doch dann kommen diese Momente.
Diese Krisen.
Diese stillen oder lauten Erschütterungen, in denen das Leben dir etwas zuflüstert:
Jetzt. Jetzt darfst du hinsehen.
Und plötzlich wird dein Potenzial geprüft.
Deine Kraft.
Dein Mut.
Du kannst weiter mitschwimmen – oder du findest deinen eigenen Weg.
Den Weg zurück zu dir.
Aber du wirst nicht wieder zum Kind.
Du wirst zu dem, was du geworden wärst,
wenn niemand dir je erzählt hätte, wie du zu sein hast.
Leben ist Entfaltung.
Kein Ziel, das man abhakt.
Keine Linie, die man abläuft.
Wie schrecklich wäre es eigentlich,
wenn du irgendwann „alles erreicht“ hättest?
Was dann?
Etwas anzustreben ist schön,
weil es uns bewegt, motiviert, trägt.
Doch die wahre Bewegung entsteht dort,
wo du dich fragst:
Tut mir das gut, was ich gerade lebe?
Oder lebe ich nur etwas, das andere von mir erwarten?
Ein leiser Schritt zurück zu dir
Vielleicht magst du für einen Moment deine Hand aufs Herz legen.
Still werden.
Atmen.
Und dich fragen:
Wo in meinem Leben habe ich mich verstrickt?
Und wo darf ich mich lösen?
Du musst nichts sofort verändern.
Du darfst erst einmal nur erkennen.
Manchmal ist das schon ein Akt der Befreiung.
Freiheit beginnt nicht im Außen.
Sie beginnt in dir.
Ein Gedanke für deinen Tag
Wir leben in einer Welt voller Erwartungen.
Doch dazwischen – in den Zwischenräumen – wartet deine eigene Wahrheit.
Deine Kraft.
Deine leise, klare innere Freiheit.
Vielleicht ist heute ein guter Tag,
sie wieder ein Stück zu dir einzuladen.
Alles Liebe zu dir
deine Impulsstifterin 💛