Warum das Familienbett unser Weg wurde

Ja, ich habe mich bewusst für das Familienbett entschieden.

Aber eigentlich war es mehr ein Gefühl – eines, das schon da war, bevor ich mein erstes Kind zum allerersten Mal im Arm hielt.

Es fühlte sich stimmig an.

Richtig.

Wie ein leises Wissen in mir.

 

Vielleicht war es auch ein Weg der Heilung, ohne dass ich es damals so hätte benennen können.

 

Ich hatte mir meine Geburten anders ausgemalt.

Weicher. Natürlicher. Selbstbestimmter.

Und auch das Wochenbett – hatte ich in meinen Gedanken als entspannte Zweisamkeit mir vorgestellt.

 

Vielleicht war es auch mein Fehler, damals so vielen Familien in den sozialen Medien zu folgen,

denen scheinbar alles „natürlich“ gelang:

die selbstbestimmte Geburt, die ruhige Hausgeburt, das selbstverständliche Stillen.

Diese Bilder haben mich getragen – und gleichzeitig verletzt.

Denn mein Weg sah anders aus.

Zwei Kaiserschnitte.

Kein Stillen.

Kein Milcheinschuss, den ich hätte spüren können.

Keine dieser Szenen, von denen man sagt, sie seien der Inbegriff des Mutterwerdens.

 

Und ich zweifelte.

An mir.

An meiner Weiblichkeit.

An meinem Körper.

Doppelt, als es beim zweiten Kind wieder so war.

 

Hebammen sagten mir, ich hätte ein Geburtstrauma erlebt.

Dass ich eine Therapie bräuchte.

Aber ich habe keine gemacht.

Ich habe anders verarbeitet.

Ich habe gesprochen.

Ich habe geweint, nächtelang.

Ich habe losgelassen – Schicht für Schicht, Jahr für Jahr.

 

Und doch:

Andere Mütter, die scheinbar mühelos gebärten und stillten,

triggerten mich eine lange Zeit.

Früher haben sie mich verletzt.

Heute kann ich sie feiern.

Weil ich weiß: Es ist ein Wunder.

Kein Automatismus.

Nichts Selbstverständliches.

 

Und manchmal tut es weh zu hören, wie selbstverständlich einige wenige Männer davon sprechen,

dass Frauen „doch dafür gemacht sind“.

Dass Stillen das Natürlichste der Welt sei.

Diese Urteile sind so leicht gesprochen –

aber sie treffen genau die Frauen, die es am meisten versucht haben.

Die es wollten.

Die gekämpft haben. 

Die Nächte durchgepumpt und die Tage durchgehalten haben.

 

Drei Monate lang habe ich meinen Körper gezwungen, etwas zu geben,

das er vielleicht gar nicht auf diese Weise geben konnte.

Und manchmal fühlte ich mich dabei nicht wie eine Mutter –

sondern wie ein Stück Vieh, wie eine Maschine, die funktionieren muss.

 

Ich weiß heute:

Eine Frau, die nicht stillen kann, ist nicht weniger Mutter.

Nicht weniger weiblich.

Nicht weniger genug.

 

Und genau da, in dieser Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit,

ist für mich etwas entstanden, das ich damals nicht erahnt habe:

 

Das Familienbett wurde zu meinem Verbindungsort.

Zu meinem heiligen Raum.

Zu dem Ort, an dem ich die Nähe leben konnte,

die mir die Geburtserfahrungen genommen hatten.

 

Dort, in den Nächten,

in den Atemzügen meiner Kinder,

in der Wärme ihrer Körper,

das Kuscheln Haut an Haut,

die Präsenz, echtes Dasein.

genau dort konnte ich fühlen, was Bindung wirklich ist.

 

Nicht die Art, die in Büchern steht.

Nicht die, die man auf Social Media sieht.

Sondern die Art, die im Dunkeln wächst,

sanft, leise, vollkommen echt.

 

Und vielleicht war genau das mein Weg zurück zu mir.

Zu meiner Mutterschaft.

Zu dem Gefühl:

Ich bin genug.

Ich war es die ganze Zeit.

Wenn Außenstimmen laut werden

 

Natürlich hörte ich sie:

die Zweifel, die Bedenken, die gut gemeinten Warnungen.

 

„Die gewöhnen sich ja daran.“

„Dann schlafen sie mit 10 noch bei euch.“

„Was ist denn mit eurer Partnerschaft?“

 

Aber unsere Erfahrung erzählt eine andere Geschichte.

 

Wenn wir unterwegs sind und kein Familienbett möglich ist,

gehen unsere Kinder erstaunlich leicht damit um.

Sie nehmen den Schlafplatz, den der Moment gerade bietet, ohne großes Drama oder Festhalten.

Vielleicht, weil sie wissen:

Nähe ist kein knappes Gut.

Sie müssen nicht darum kämpfen.

Sie dürfen sie einfach leben.

 

So können sie sich auf neue Räume einlassen – offen, ruhig, ohne Druck.

Einfach, weil es gerade so ist.

Manchmal braucht es vielleicht noch eine zusätzliche Gute-Nacht-Geschichte,

manchmal krabbeln sie einfach frühmorgens noch einmal zu uns.

 


 

Und die Partnerschaft?

 

Sie schrumpft nicht – sie verändert sich.

Zweisamkeit bekommt andere Räume, andere Zeiten, andere Formen.

Liebe findet Wege, wenn man bereit ist, kreativ zu sein.

Und sie findet ihre Orte, wenn man bereit ist,

die alten Vorstellungen loszulassen.

 


 

Eine Einladung an dich

 

Wenn du dich manchmal fragst,

ob deine Art von Nähe „richtig“ ist,

ob du zu viel gibst,

oder ob du deiner Intuition trauen darfst –

 

dann erinnere dich:

 

Es gibt keinen perfekten Beginn.

Nur einen echten.

 

Du darfst deinen Weg gehen.

Du darfst heilen, während du hältst.

Du darfst loslassen, was andere sagen,

und dich an dem festhalten, was sich für euch wahr anfühlt.

 

Nähe ist kein Fehler.

Sie ist ein Fundament.

Ein Bett, das Geschichten trägt

 

Heute liege ich manchmal zwischen meinen Kindern,

lausche ihrem Atmen, fühle ihre Wärme

und denke:

 

Das Familienbett war nie eine Notlösung.

Es war ein Zuhause.

Ein Raum, in dem unsere Geschichten heilen durften –

auch meine.

 

Vielleicht ist das der wahre Zauber:

dass wir manchmal nicht den Weg finden,

sondern der Weg uns.

 

Nacht für Nacht.

Atemzug für Atemzug.

 

 

Von Herzen

deine Impulsstifterin 💛

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