Mein Mut-Wort des Jahres: "Jetzt"

Weißt du, was mir irgendwann aufgefallen ist? Dass ich unglaublich gut darin war, Dinge aufzuschieben, aber nicht irgendwelche Dinge, sondern meistens genau die, die mit mir selbst zu tun hatten, mit meinem eigenen Weg, meinen Ideen, meinem Sichtbarwerden und all den Dingen, bei denen ich innerlich eigentlich längst gespürt habe, dass ich bereit wäre loszugehen, wenn ich endlich aufhören würde, noch länger auf den perfekten Moment zu warten.

Ich habe meine Website erst veröffentlicht, als sie sich für mich wirklich stimmig angefühlt hat (mittlerweile hat sich selbst da einiges wieder verändert), habe Pins mehrfach überarbeitet, weil vielleicht doch noch irgendwo ein kleiner Fehler hätte sein können, und ich habe Texte immer wieder gelesen, bevor ich sie gezeigt habe, obwohl längst alles da war, was gesagt werden wollte.

Nicht, weil ich nichts zu sagen hatte oder weil etwas gefehlt hätte, sondern weil ich immer dachte, dass ich noch etwas verbessern müsste, noch etwas klarer werden sollte oder mich erst noch sicherer fühlen müsste, bevor ich wirklich sichtbar werde.

Und gleichzeitig war ich für andere oft sofort da, denn wenn jemand Hilfe brauchte, habe ich selten lange gezögert oder alles bis ins Kleinste hinterfragt, sondern einfach unterstützt, mitgefühlt und getragen, ohne vorher das Gefühl haben zu müssen, perfekt vorbereitet zu sein.

Aber sobald es um mich selbst ging, wurde ich vorsichtig, zurückhaltend und manchmal auch still, weil plötzlich all diese Gedanken auftauchten, die mich zweifeln ließen, ob ich schon weit genug bin, ob ich wirklich bereit bin oder ob ich vielleicht lieber noch ein bisschen warten sollte.

Heute weiß ich, dass das wenig mit echter Sorgfalt zu tun hatte und viel mehr mit Selbstzweifeln, mit Perfektionismus und mit dieser leisen Art, sich selbst immer ein Stück zurückzunehmen, obwohl das Herz eigentlich längst weitergehen möchte.


Als dieses Wort irgendwann immer öfter da war

Und dann war da irgendwann dieses Wort: Jetzt. Nicht plötzlich und auch nicht wie so ein großer Moment, in dem auf einmal alles klar wird und man sofort weiß, was zu tun ist. Es war eher leise. Fast unscheinbar. Aber irgendwie ist es mir immer wieder begegnet, weil ich gemerkt habe, wie oft ich Dinge nach hinten schiebe, obwohl ich tief in mir eigentlich längst wusste, was sich richtig anfühlt.

Ich dachte so oft, dass ich später damit rausgehe, später sichtbarer werde, später entscheide, später starte oder später endlich bereit dafür bin, mir selbst wirklich zu vertrauen. Aber dieses berühmte „Später“ kam ehrlich gesagt nie wirklich an. Irgendetwas war immer noch nicht ganz fertig, noch nicht stimmig genug oder noch nicht sicher genug, um endlich loszugehen.

Und wenn ich heute ehrlich darauf schaue, dann habe ich wahrscheinlich gar nicht auf den perfekten Zeitpunkt gewartet, sondern eher darauf, dass sich endlich alle Zweifel in mir auflösen, dass ich keine Angst mehr spüre und dass ich mich vollkommen sicher fühle mit dem, was ich tue.

Aber genau das passiert oft gar nicht vorher.

Manchmal entsteht Vertrauen erst dann, wenn wir trotzdem losgehen.

Und irgendwann habe ich gemerkt, dass ich mein eigenes Leben die ganze Zeit auf später verschiebe, während mein Herz eigentlich längst bereit war, einen Schritt weiterzugehen, nicht kopflos, sondern einfach ehrlich und verbunden mit mir selbst.

Also habe ich irgendwann aufgehört, darauf zu warten, dass sich alles vollkommen sicher anfühlt, und angefangen, mir selbst auch mitten im Zweifel und mitten im Unfertigen ein kleines bisschen mehr zu vertrauen.

Und genau das bedeutet dieses Wort für mich heute: Jetzt.

Warum uns Perfektion oft von uns selbst entfernt

Ich glaube, viele Frauen kennen dieses stille innere Warten, weil wir oft das Gefühl haben, erst dann wirklich losgehen zu dürfen, wenn alles rund, fehlerfrei und möglichst unangreifbar wirkt, sodass wir beginnen, uns selbst immer weiter zurückzuhalten, obwohl in uns längst etwas lebendig werden möchte.

Gerade Frauen, die viel fühlen, viel wahrnehmen und für andere da sind, verlieren sich darin manchmal ganz unbemerkt selbst, weil die eigenen Wünsche, Ideen und Bedürfnisse immer wieder nach hinten rutschen, während man für andere oft viel liebevoller, mutiger und verständnisvoller wäre als für sich selbst.

Und genau darin lag für mich irgendwann die eigentliche Erkenntnis, denn ich habe verstanden, dass mich mein ständiges Kontrollieren und Überdenken nicht wirklich sicher gemacht hat, sondern vor allem dafür gesorgt hat, dass ich mein eigenes Leben immer wieder verschiebe.

Deshalb hat dieses Wort Jetzt für mich irgendwann eine ganz andere Bedeutung bekommen, weil es nicht mehr für Schnelligkeit oder unüberlegtes Handeln stand, sondern für die Entscheidung, meinem ersten echten Gefühl wieder mehr Raum zu geben, bevor mein Kopf beginnt, alles zu zerdenken und aus einem klaren inneren Ja wieder ein unsicheres Vielleicht macht.

Denn wenn ich heute ehrlich auf mein Leben schaue, dann waren die wichtigsten Entscheidungen selten vollkommen logisch oder komplett abgesichert, aber sie waren echt und genau deshalb haben sie mich näher zu mir selbst geführt.


Was sich verändert hat, seit ich mehr nach meinem „Jetzt“ lebe

Das Interessante ist, dass mein Leben seitdem nicht plötzlich perfekt geworden ist und ich auch nicht lauter oder härter geworden bin, sondern vielmehr ehrlicher, ruhiger und verbundener mit mir selbst, weil ich aufgehört habe, ständig darauf zu warten, irgendwann eine vollkommen fertige Version von mir sein zu müssen.

Ich zerdenke weniger, weil ich nicht mehr jede Unsicherheit vorher auflösen muss, bevor ich eine Entscheidung treffe, und ich gehe schneller ins Tun, nicht weil ich plötzlich keine Angst mehr hätte, sondern weil ich verstanden habe, dass Selbstvertrauen oft genau in dem Moment wächst, in dem wir aufhören, uns selbst ständig zurückzuhalten.

Vor allem aber schiebe ich mein eigenes Leben nicht mehr ständig auf später, weil ich gemerkt habe, dass Perfektionismus mich nicht schützt, sondern mich oft einfach davon abhält, mich lebendig zu fühlen und meinem eigenen Rhythmus zu folgen.

Und vielleicht ist genau das einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg zu mehr innerem Wachstum, mehr Vertrauen und echter Selbstfürsorge, nämlich sich nicht erst dann zu erlauben loszugehen, wenn alles perfekt erscheint, sondern schon jetzt mit dem zu gehen, was da ist.

Vielleicht ist genau jetzt dein Moment

Vielleicht gibt es auch in deinem Leben etwas, das du schon lange mit dir herumträgst, vielleicht eine Idee, eine Veränderung, ein Gespräch oder einfach diesen leisen Wunsch, dich selbst endlich nicht mehr immer hintenanzustellen, obwohl du tief in dir längst spürst, dass etwas in Bewegung kommen möchte.

Und vielleicht hält dich gar nicht fehlende Fähigkeit zurück, sondern nur dieses alte Gefühl, noch nicht genug zu sein oder noch ein bisschen warten zu müssen, bevor du dir erlaubst, wirklich loszugehen.

Aber was wäre, wenn du nicht darauf warten musst?

Was wäre, wenn dieses Jetzt keine Aufforderung zur Eile ist, sondern eine Einladung dazu, ehrlich mit dir selbst zu werden und aufzuhören, dein Leben ständig auf eine perfektere Version deiner selbst zu verschieben?

Denn vielleicht ist Mut manchmal gar nichts Lautes.

Vielleicht ist Mut einfach dieser leise Moment, in dem du spürst, dass du dir selbst wichtig genug geworden bist, um dich nicht länger zurückzuhalten.

Und vielleicht beginnt genau dort ein Leben, das sich wieder mehr nach dir selbst anfühlt.

Deine ImpulsStifterin 🩷