Mit der Zeit wurde mir immer klarer, dass unsere Kinder nicht hier sind, um unsere Vorstellungen zu erfüllen, unsere Ängste zu beruhigen oder unbewusst die Geschichten weiterzutragen, die wir selbst vielleicht nie ganz verarbeitet haben, und trotzdem passiert genau das im Alltag oft schneller, als wir es merken, weil wir beobachten, vergleichen, analysieren und uns ständig fragen, ob alles „richtig“ läuft, besonders dann, wenn mehrere Kinder aufeinandertreffen und wir anfangen zu schauen, warum das eine Kind so empfindsam reagiert, während das andere scheinbar viel freier durchs Leben geht, warum eines mehr Nähe braucht und das andere nach Raum verlangt, warum eines laut fühlt und das andere sich eher zurückzieht, obwohl beide doch im selben Zuhause aufwachsen, dieselbe Liebe bekommen und von denselben Menschen begleitet werden.
Und genau darin liegt wahrscheinlich eine der größten Herausforderungen im achtsamen Familienleben, denn wir merken irgendwann, dass Gleichbehandlung nicht automatisch bedeutet, jedem Kind genau dasselbe zu geben, sondern vielmehr zu erkennen, dass jedes Kind seine eigene innere Welt mitbringt, seine eigene Sprache, sein eigenes Tempo und seine ganz eigene Art, sich durch diese Welt zu bewegen, und dass Liebe manchmal genau darin besteht, diese Unterschiedlichkeit nicht ausgleichen zu wollen, sondern sie wirklich stehen lassen zu können.
Der Vergleich schleicht sich leise in unser Herz
Ich glaube, viele Mütter kennen dieses stille innere Vergleichen, auch wenn kaum jemand offen darüber spricht, weil es oft nicht laut oder bewusst geschieht, sondern sich eher wie ein leiser Gedanke zwischen Alltag, Müdigkeit und Verantwortung einschleicht, wenn man beobachtet, wie unterschiedlich die eigenen Kinder mit denselben Situationen umgehen und man sich plötzlich fragt, ob man etwas übersehen hat oder ob man vielleicht einem Kind mehr gerecht wird als dem anderen.
Und manchmal vergleichen wir dabei nicht nur unsere Kinder miteinander, sondern auch uns selbst mit anderen Familien, mit Bildern von Harmonie, die wir irgendwo sehen, mit diesem unausgesprochenen Gefühl, dass ein friedliches Familienleben bedeuten müsste, dass Geschwister sich möglichst selten streiten und immer liebevoll miteinander umgehen, obwohl echte Geschwisterbeziehungen doch viel tiefer und ehrlicher sind als diese perfekten Vorstellungen, weil Verbindung nicht bedeutet, dass es niemals kracht, sondern dass man nach all dem wieder zueinander findet.
Denn genau das sehe ich bei meinen eigenen Kindern immer wieder, selbst an Tagen, an denen ich völlig erschöpft bin und das Gefühl habe, zwischen ihren Bedürfnissen hin- und hergerissen zu werden, wenn Streit entsteht, Tränen fließen und beide gleichzeitig etwas von mir wollen, und trotzdem gibt es dann diese anderen Momente, die ganz leise passieren und mich oft viel tiefer berühren als jede äußerliche Harmonie, wenn ich sehe, wie sie sich gegenseitig trösten, sich plötzlich umarmen oder vollkommen selbstverständlich wieder miteinander lachen, obwohl wenige Minuten vorher noch dicke Luft war.
Und genau dort spüre ich oft, dass ihre Verbindung nicht deshalb wächst, weil ich alles kontrolliere oder perfekt begleite, sondern weil sie Raum haben, ihren eigenen Weg miteinander zu finden.
Freiheit beginnt dort, wo wir langsam loslassen
Für mich war es ein langer Prozess zu verstehen, dass Kinder in Freiheit begleiten nicht bedeutet, sie einfach machen zu lassen oder sich aus allem herauszuhalten, sondern dass es vielmehr darum geht, präsent zu bleiben, ohne ständig einzugreifen, da zu sein, ohne jede Situation kontrollieren zu wollen, und Vertrauen zu entwickeln, obwohl man nicht immer weiß, wie etwas ausgehen wird.
Denn natürlich wollen wir unsere Kinder schützen, Konflikte vermeiden und verhindern, dass sie verletzt werden, aber irgendwann durfte ich erkennen, dass Reibung kein Zeichen dafür ist, dass etwas falsch läuft, sondern oft genau der Ort ist, an dem Kinder lernen, wer sie selbst sind, wie sie ihre Grenzen spüren und wie Beziehung funktioniert, ohne dass immer sofort jemand von außen alles löst.
Ich glaube sogar, dass viele Kinder heute viel zu selten erleben dürfen, dass sie eigene Lösungen finden können, weil wir Erwachsenen aus Angst, Überforderung oder dem Wunsch nach Harmonie oft sofort dazwischengehen, erklären, bewerten oder regulieren, obwohl Kinder unglaublich viel Kompetenz in sich tragen, wenn wir ihnen zutrauen, diese überhaupt zu entwickeln.
Und vielleicht ist genau das einer der wichtigsten Gedanken für mich geworden: Meine Kinder müssen nicht lernen, perfekt miteinander auszukommen, sondern sie dürfen lernen, dass Beziehung auch dann bestehen bleibt, wenn man unterschiedlich ist, wenn es kracht oder wenn man sich gegenseitig herausfordert.
Kinder müssen nicht funktionieren, um liebenswert zu sein
Je bewusster ich meinen eigenen Weg als Mama gehe, desto deutlicher spüre ich, wie tief viele alte Prägungen eigentlich in uns sitzen, weil so viele von uns selbst gelernt haben, angepasst zu sein, Erwartungen zu erfüllen und möglichst wenig anzuecken, und genau deshalb fällt es uns manchmal schwer auszuhalten, wenn unsere Kinder laut fühlen, widersprechen, Grenzen austesten oder ganz anders sind, als wir es vielleicht unbewusst erwartet haben.
Aber ich möchte keinen weiteren Menschen in diese Welt begleiten, der nur funktioniert und sich dabei selbst verliert.
Ich wünsche mir für meine Kinder, dass sie spüren dürfen, dass sie nicht in Konkurrenz zueinander stehen, dass Liebe kein Wettkampf ist und dass niemand kleiner oder größer werden muss, um seinen Platz innerhalb einer Familie zu verdienen.
Denn Kinder fühlen sehr genau, ob sie einfach sein dürfen oder ob ständig eine unsichtbare Erwartung im Raum steht.
Und vielleicht beginnt echte achtsame Erziehung genau dort, wo wir aufhören, unsere Kinder formen zu wollen, damit sie besser in bestimmte Bilder passen, und stattdessen anfangen zu erkennen, wer sie eigentlich wirklich sind.
Was uns als Mütter oft wirklich berührt
Manchmal hat das, was uns im Alltag mit unseren Kindern so tief triggert, viel weniger mit ihnen zu tun, als wir glauben, weil plötzlich alte Gefühle auftauchen, die eigentlich zu unserer eigenen Geschichte gehören, zu den Rollen, die wir früher übernommen haben, zu den Dingen, die wir gebraucht, aber vielleicht nie bekommen haben.
Und genau deshalb lohnt es sich manchmal, kurz innezuhalten und sich ehrlich zu fragen, warum bestimmte Situationen uns so stark berühren, warum uns das Verhalten eines Kindes vielleicht besonders herausfordert oder warum wir das Gefühl haben, ständig ausgleichen zu müssen.
Nicht, um Schuld zu suchen, sondern um bewusster zu werden.
Denn oft projizieren wir aus alten Erfahrungen heraus, ohne es zu merken, und genau darin liegt für mich heute so viel Heilung, weil Bewusstsein etwas verändert, ohne dass wir perfekt sein müssen.
Meine Kinder müssen nichts reparieren, was in meiner eigenen Geschichte offen geblieben ist.
Sie dürfen ihren eigenen Weg gehen, mit ihrem eigenen Wesen, ihrem eigenen Tempo und ihrer eigenen Wahrheit.
Und ich darf lernen, sie dabei zu begleiten, statt sie ständig lenken zu wollen.
Was bleibt, wenn wir aufhören zu ziehen
Ganz ehrlich, wir werden nicht alles richtig machen, und wahrscheinlich ist genau das auch gar nicht die Aufgabe von Elternschaft, weil Kinder keine perfekten Mütter brauchen, sondern echte Menschen, die bereit sind hinzuschauen, Verantwortung zu übernehmen, sich zu reflektieren und trotzdem liebevoll zu bleiben, auch wenn nicht immer alles harmonisch ist.
Und vielleicht entsteht genau dort etwas sehr Wertvolles, wenn wir aufhören, ständig an unseren Kindern zu ziehen, sie vergleichen zu wollen oder jede Situation kontrollieren zu müssen, weil plötzlich Raum entsteht für Vertrauen, für echte Verbindung und für das Gefühl, dass jeder innerhalb der Familie genauso sein darf, wie er wirklich ist.
Ich glaube, dass Kinder sich später nicht daran erinnern werden, ob wir alles perfekt geregelt haben, sondern daran, wie es sich angefühlt hat, mit uns groß zu werden.
Ob sie frei sein durften.
Ob sie sich gesehen gefühlt haben.
Ob sie spüren konnten, dass Liebe nicht davon abhängig war, wie angepasst oder unkompliziert sie gerade waren.
Und vielleicht ist genau das eines der größten Geschenke, die wir ihnen machen können.
In Liebe
deine ImpulsStifterin 🩷