Welche Maske trägst du noch - und wer bist du wirklich?

Der Regen prasselte gegen die Fensterscheiben, während drinnen nur das Ticken der Uhr zu hören war. Ich saß auf dem Sofa, die Tasse in meinen Händen längst kalt geworden. Es war einer dieser seltenen Momente, in denen im Außen alles still wird – und genau dann das Innen beginnt, lauter zu sprechen.

„Bin das wirklich ich?“ Dieser Gedanke kam leise, aber unüberhörbar. Vielleicht kennst du solche Momente auch. Diese Sekunden, in denen du spürst, dass etwas nicht ganz stimmig ist. Nicht falsch – aber auch nicht ganz du. Und du beginnst dich zu fragen, ob du eigentlich noch die bist, die du einmal warst… oder ob du längst jemand geworden bist, der einfach nur funktioniert.


Wer bist du geworden – und warum?

Wir Frauen wachsen oft hinein in Rollen, die sich irgendwann ganz selbstverständlich anfühlen. Mutter, Partnerin, Kollegin, Organisatorin des Alltags. Wir halten zusammen, was sonst auseinanderfallen würde. Wir tragen Verantwortung, denken mit, fühlen mit, sind da – oft mehr für andere als für uns selbst.

Dabei passiert etwas ganz Leises: Wir beginnen, uns anzupassen. Nicht bewusst. Sondern schrittweise. Wir lernen, was „gut ankommt“. Wir spüren, was erwartet wird. Und wir entwickeln Strategien, um dazuzugehören. So entstehen diese feinen Masken im Alltag – nicht als Täuschung, sondern als Schutz.

Vielleicht ist da die Version von dir, die stark bleibt, auch wenn sie müde ist. Die ruhig bleibt, obwohl in ihr längst alles laut ist. Die lächelt, obwohl sie sich innerlich leer fühlt. Diese Masken sind nicht falsch. Sie haben dir geholfen. Sie haben dich getragen, durch Situationen, in denen du dachtest, du müsstest funktionieren, um bestehen zu können.

Doch irgendwann kommt dieser Moment…
in dem du spürst: Ich bin da drin irgendwo verloren gegangen.

Der Moment, der alles verändert hat

Ich möchte dich mitnehmen zu einem Tag im Juli 2022. Ein Sommertag, der sich im ersten Moment unscheinbar anfühlte – und doch etwas in mir ausgelöst hat, das ich bis heute nicht mehr vergessen habe.

Ich war bei einem Trommelbauworkshop. Und ich dachte, ich würde etwas mit meinen Händen erschaffen. Eine Trommel. Etwas Greifbares. Doch in Wahrheit entstand etwas ganz anderes: eine Begegnung - mit mir selbst.

Ein Teil dieses Workshops war ein kleines Ritual. Unsere Lederhäute lagen in einem Einweichbecken. Jede durfte einzeln, mit geschlossenen Augen, nach vorne treten. Still. Ohne Worte. Nur geführt vom eigenen Gefühl.

Als ich an der Reihe war, spürte ich sofort diese Mischung aus Unsicherheit und Tiefe. Ich tauchte meine Hände ins Wasser. Tastete. Suchte. Doch immer wieder zog ich Stücke heraus, die sich nicht richtig anfühlten. Reste. Überbleibsel. Vermischtes.

Und während ich suchte, wurde mir plötzlich etwas bewusst – nicht als Gedanke, sondern als Gefühl:
So fühlt es sich also an, wenn man sich selbst nicht mehr findet.

Ich brauchte Zeit. Viel länger als gedacht. Und mir kamen Zweifel und die Ungeduld schlich in meinen Körper. Doch dann hielt ich plötzlich etwas in den Händen, das sich anders anfühlte. Klar. Stimmig. Meins.

In diesem Moment liefen mir die Tränen. Nicht, weil ich traurig war. Sondern weil ich verstanden habe. Ich habe mich all die Jahre selbst verloren. Ich habe mich angepasst, zurückgenommen, kleiner gemacht. Ich habe Anteile von mir versteckt, weil ich dachte, sie wären „zu viel“.

Zu laut. Zu verspielt. Zu unperfekt. Zu emotional.

Ich habe geglaubt, ich müsse mich begrenzen, um dazuzugehören. Dass ich nur dann richtig bin, wenn ich mich kontrolliere, anpasse, zurückhalte. Und genau in diesem Moment wurde mir klar, wie sehr ich mir selbst damit untreu geworden bin.

Was für ein stilles, über Jahre gewachsenes Konstrukt aus Anpassung – und ja, auch aus Lügen zu mir selbst.


Wenn das Funktionieren dich von dir entfernt

Vielleicht erkennst du dich ein Stück darin wieder. Dieses Gefühl, sich selbst irgendwo auf dem Weg verloren zu haben. Nicht plötzlich. Nicht bewusst. Sondern leise, über viele kleine Entscheidungen hinweg.

Emotionale Erschöpfung entsteht oft genau dort. Nicht, weil wir zu schwach sind. Sondern weil wir zu lange stark waren. Weil wir zu lange Dinge getragen haben, die eigentlich nicht mehr zu uns gehören.

Du wachst morgens auf und funktionierst. Du gehst durch den Tag und erledigst, organisierst, kümmerst dich. Und irgendwann, vielleicht abends oder in einem stillen Moment, spürst du eine Leere, die du dir nicht erklären kannst.

Das ist kein Versagen.
Das ist ein Zeichen.

Ein Zeichen dafür, dass etwas in dir gesehen werden möchte. Gehört werden möchte. Gefühlt werden möchte.


Zurück zu dir – Schritt für Schritt

Die Frage „Wer bin ich wirklich?“ ist keine, die du sofort beantworten musst. Vielleicht kannst du sie auch gar nicht sofort beantworten. Und das ist vollkommen in Ordnung.

Es geht nicht darum, alles auf einmal zu verändern. Nicht darum, von heute auf morgen alle Masken abzulegen. Manche davon haben dich lange geschützt. Sie dürfen in deinem Tempo gehen.

Authentisch leben beginnt oft ganz klein. Es beginnt mit einem ehrlichen Moment. Mit einem Innehalten. Mit der Bereitschaft, dir selbst zuzuhören.

Vielleicht fragst du dich heute:
Was fühle ich gerade – wirklich?
Was brauche ich – jenseits von dem, was von mir erwartet wird?

Und vielleicht erlaubst du dir, darauf eine ehrliche Antwort zu finden.


Eine leise Einladung

Du darfst dich entscheiden, wieder näher zu dir zu kommen. Nicht alles auf einmal und auch nichjt perfekt, aber Schritt für Schritt.

Vielleicht beginnt es mit Selbstfürsorge. Nicht als große Veränderung, sondern als kleine, echte Handlung. Ein Moment nur für dich. Ein Nein, das du aussprichst, obwohl es ungewohnt ist. Ein Ja zu dir selbst.

Du darfst dich erinnern.
An deine Lebendigkeit.
An deine Tiefe.
An alles, was du einmal warst – und immer noch bist.

Du bist nicht verloren.
Du warst nur leise geworden.

Eine leise Einladung

Du darfst dich entscheiden, wieder näher zu dir zu kommen. Nicht alles auf einmal und auch nichjt perfekt, aber Schritt für Schritt.

Vielleicht beginnt es mit Selbstfürsorge. Nicht als große Veränderung, sondern als kleine, echte Handlung. Ein Moment nur für dich. Ein Nein, das du aussprichst, obwohl es ungewohnt ist. Ein Ja zu dir selbst.

Du darfst dich erinnern.
An deine Lebendigkeit.
An deine Tiefe.
An alles, was du einmal warst – und immer noch bist.

Du bist nicht verloren.
Du warst nur leise geworden.

 

In Liebe zu dir

deine Impulsstifterin 🩷