Über Selbstzweifel – und warum ich trotzdem weitergegangen bin

Es sind oft nicht die großen, offensichtlichen Krisen, die uns ins Wanken bringen. Viel häufiger sind es diese leisen Momente im Alltag, die sich unbemerkt einschleichen. Momente, in denen alles weiterläuft – der Kaffee steht auf dem Tisch, die Brotdosen werden gepackt, irgendwo ruft ein Kind nach dir – und dann spürst du sie - eine innere Unruhe. Fast so, als würde etwas in dir anklopfen, während du versuchst, einfach weiterzumachen.

Ich erinnere mich an genau so einen Morgen. Es war nichts Besonderes. Und gleichzeitig war da dieser eine Gedanke, der sich dazwischenschob: „Reicht das eigentlich, was du hier tust? Reicht das, was du bist?“ Da waren sie – meine Selbstzweifel. Präsent genug, um mich innerlich kleiner werden zu lassen, als ich eigentlich bin.

Vielleicht kennst du genau dieses Gefühl. Dieses gleichzeitige Funktionieren im Außen und Zweifeln im Innen. Dieses Dazwischen, in dem du irgendwie alles schaffst – und dich trotzdem nicht wirklich verbunden fühlst mit dir selbst.


Mein innerer Kampf zwischen Sicherheit und Sehnsucht

Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich, wie lange mich diese Selbstzweifel schon begleitet haben. Und wie sehr ich versucht habe, sie zu ignorieren oder „wegzumachen“. Ich dachte lange, sie wären ein Zeichen dafür, dass ich noch nicht bereit bin. Dass ich erst stärker, klarer oder sicherer werden muss, bevor ich meinen eigenen Weg wirklich gehen darf. Besonders als Mutter und als Frau, die sich nach einem achtsamen Leben sehnt, habe ich diesen inneren Zwiespalt oft gespürt.

Da war auf der einen Seite diese tiefe Sehnsucht nach mehr. Mehr Echtheit. Mehr Gefühl. Mehr Leben, das sich wirklich nach mir anfühlt. Und auf der anderen Seite diese leise, aber hartnäckige Stimme, die mich immer wieder zurückgezogen hat. Sie hat mir Geschichten erzählt. Von Sicherheit. Von Vernunft. Von „So macht man das eben“. Und manchmal klangen diese Gedanken so logisch, dass ich ihnen geglaubt habe. Dass ich mich selbst kleiner gemacht habe, als ich es eigentlich bin.

Ich habe mich oft gefragt, ob ich zu sensibel bin. Zu weich für diese Welt, die so oft nach Struktur und Klarheit verlangt. Und gleichzeitig wusste ich tief in mir: Genau diese Sensibilität ist ein Teil von mir. Ein Teil, der fühlen kann, der wahrnehmen kann, der spürt, wenn etwas nicht mehr stimmig ist.


Was sich verändert hat, als ich aufgehört habe, gegen mich zu kämpfen

Einer der wichtigsten Schritte auf meinem Weg war, dass ich aufgehört habe, gegen meine Selbstzweifel anzukämpfen. Ich habe begonnen, sie nicht mehr als Gegner zu sehen, sondern als einen Teil von mir, der gehört werden möchte. Und das hat etwas in mir verschoben. Denn plötzlich ging es nicht mehr darum, sie loszuwerden. Sondern darum, sie zu verstehen.

Ich habe angefangen, innezuhalten, wenn sie auftauchten. Nicht sofort zu reagieren, nicht sofort zurückzugehen – sondern kurz bei mir zu bleiben. Und mich zu fragen: Was steckt eigentlich dahinter? Oft habe ich dabei gemerkt, dass es gar nicht um „Du kannst das nicht“ geht. Sondern vielmehr um „Das ist dir wichtig“. Um etwas, das mich berührt. Etwas, das Bedeutung hat.

Und genau darin liegt für mich heute so viel Wahrheit. Denn wir zweifeln selten an Dingen, die uns egal sind. Die Zweifel zeigen uns oft genau den Weg. Nicht, weil sie uns blockieren wollen – sondern weil sie uns zeigen, wo wir hinschauen dürfen.


Kleine Schritte statt großer Beweise

Ich habe lange geglaubt, dass ich erst dann mutig bin, wenn ich mich stark fühle. Wenn ich keine Angst mehr habe. Wenn ich sicher weiß, was ich tue. Aber die Realität hat mir etwas anderes gezeigt. Mut finden bedeutet nicht, dass die Zweifel verschwinden. Es bedeutet, dass wir lernen, trotzdem loszugehen.

In meinem Alltag zeigt sich Mut heute ganz anders als früher. Nicht laut. Nicht spektakulär. Sondern in diesen kleinen Momenten, in denen ich mich entscheide, mir selbst ein Stück mehr zu vertrauen. Wenn ich etwas ausspreche, obwohl meine Stimme kurz zittert. Wenn ich einen Gedanken teile, obwohl ich nicht weiß, wie er ankommt. Wenn ich einen Schritt gehe, ohne den ganzen Weg zu kennen.

Diese kleinen Entscheidungen sind es, die langfristig den größten inneren Wandel bewirken. Nicht, weil sie perfekt sind. Sondern weil sie aus mir heraus entstehen – und nicht aus dem Versuch, jemand anderes zu sein.


Rituale, die mich zurück zu mir bringen

Gerade in den Momenten, in denen es in mir unruhig wird, habe ich gelernt, mir selbst kleine Anker zu setzen. Nichts Großes. Nichts, was Druck macht. Sondern Dinge, die mich sanft zurück zu mir führen. Manchmal ist es ein Spaziergang, bei dem ich bewusst langsamer gehe als sonst. Manchmal ist es das Schreiben, bei dem ich alles ungefiltert aufs Papier fließen lasse. Und manchmal ist es einfach ein tiefer Atemzug mitten im Alltag.

Diese kleinen Rituale sind für mich ein wichtiger Teil meiner Selbstfürsorge geworden. Sie helfen mir, mich wieder zu spüren. Mich nicht komplett im Außen zu verlieren. Und mich daran zu erinnern, dass ich nicht nur funktioniere – sondern lebe.

In diesen Momenten entsteht etwas, das sich kaum in Worte fassen lässt. Eine Art leise Verbindung zu mir selbst. Und genau dort beginnt für mich echte Selbstverantwortung. Nicht im Sinne von „Ich muss alles im Griff haben“. Sondern im Sinne von „Ich kümmere mich liebevoll um mich“.

Vom Funktionsmodus zurück in mein eigenes Leben

Wenn ich heute auf meinen Weg schaue, dann erkenne ich, wie oft ich einfach funktioniert habe. Wie oft ich Dinge erledigt habe, ohne wirklich bei mir zu sein. Und wie sehr ich mich dabei selbst aus den Augen verloren habe.

Der Weg zurück war kein schneller. Und auch kein gerader. Schritt für Schritt habe ich gelernt, wieder hinzuspüren. Den Unterschied wahrzunehmen zwischen „Ich mache etwas“ und „Ich bin wirklich da“. Zwischen Tun und Sein.

Und genau darin liegt für mich heute so viel Ruhe. Ich muss nicht mehr perfekt sein. Ich muss nicht alles wissen. Ich darf unterwegs sein. In meinem Tempo. Auf meine Art.


Ein liebevoller Gedanke für dich

Wenn du dich gerade in deinen Selbstzweifeln wiedererkennst, dann möchte ich dir sagen: Du musst nicht warten, bis sie verschwinden. Du musst nicht erst „bereit“ sein, um loszugehen. Du darfst genau so starten, wie du gerade bist.

Vielleicht geht es gar nicht darum, stärker zu werden. Vielleicht geht es darum, weicher mit dir zu sein. Dir selbst zuzuhören. Und dir Schritt für Schritt mehr zu vertrauen.

Was wäre, wenn du dir heute erlaubst, einen kleinen Schritt zu gehen – auch wenn noch nicht alles klar ist?

Vielleicht ist genau das der Anfang von etwas Neuem.  Ein stilles, ehrliches Weitergehen auf dem Weg zurück zu dir.

 

In Liebe

deine Impulsstifterin 🩷