Kennst du diese Momente im Alltag, die dich nicht sofort loslassen? Du gehst weiter, machst irgendetwas ganz Normales, kümmerst dich um das Nächste – und trotzdem hängt innerlich noch etwas nach. Vielleicht war es nur ein Satz, ein bestimmter Tonfall oder ein Blick. Nach außen wirkt es klein, aber in dir arbeitet es weiter.
Plötzlich wirst du unsicher. Du gehst die Situation noch einmal durch, überlegst, wie es gemeint war, was du gesagt hast und ob du etwas falsch gemacht hast. Und obwohl der Moment längst vorbei ist, bist du innerlich noch mittendrin.
Mir ist das schon oft passiert. Und mein erster Gedanke war lange fast immer derselbe: Stell dich nicht so an. War doch nicht schlimm. Sei nicht so empfindlich.
Aber wenn ich ehrlich bin, hat es wehgetan. Vor allem dann, wenn ich mich gezeigt hatte. Wenn ich offen war. Wenn mir etwas wichtig war und ich ehrlich von mir erzählt habe.
Mein erster Reflex war immer, mich zu erklären
Ich wollte dann verstanden werden. Ich habe angefangen, meine Sicht noch einmal zu erklären, Dinge klarzustellen oder mich zu rechtfertigen. Nicht, weil ich unbedingt Recht haben wollte, sondern weil ich dieses unangenehme Gefühl loswerden wollte. Dieses Gefühl, missverstanden oder klein gemacht worden zu sein.
Ich dachte oft, wenn ich es nur gut genug erkläre, dann wird der andere es verstehen. Dann wird er sehen, wie ich es gemeint habe. Dann wird es wieder gut.
Doch stattdessen habe ich häufig gemerkt, dass ich mich dabei immer kleiner gemacht habe. Je mehr ich versuchte, mich verständlich zu machen, desto mehr habe ich mich von mir entfernt. Ich war nur noch damit beschäftigt, vom anderen richtig gesehen zu werden.
Und das kostet unglaublich viel Kraft.
Der Gedanke, der für mich vieles verändert hat
Irgendwann kam mir eine Frage, die für mich wichtig geworden ist: Muss das gerade wirklich alles etwas über mich aussagen?
Denn ich habe verstanden, dass Abwertung oft viel mehr mit dem anderen zu tun hat als mit mir. Manche Menschen machen andere klein, weil sie selbst unsicher sind. Andere reagieren aus Überforderung. Manche tragen so viel Unzufriedenheit in sich, dass sie sie weitergeben. Und manche haben nie gelernt, respektvoll mit anderen umzugehen.
Das macht ihr Verhalten nicht richtig. Aber es nimmt ihm diese Schwere, die ich früher sofort auf meine Schultern geladen habe.
Nicht alles, was jemand über dich sagt, ist Wahrheit. Manches ist einfach Ausdruck seiner eigenen Welt.
Was sich dadurch verändert hat
Ich reagiere heute nicht mehr auf alles. Das bedeutet nicht, dass mich nichts mehr trifft. Natürlich gibt es noch Momente, die wehtun oder nachhallen. Aber ich springe nicht mehr sofort in diesen alten Reflex, mich erklären zu müssen.
Ich halte eher kurz inne und frage mich, ob ich das wirklich annehmen möchte. Ob da etwas dran ist, das ich für mich anschauen will. Oder ob es einfach eine Meinung ist, die beim anderen bleiben darf.
Allein diese kleine Pause verändert viel. Sie schafft Abstand zwischen mir und dem, was gesagt wurde. Und genau dieser Abstand schützt.
Ich habe gelernt, dass ich nicht jede Bewertung annehmen muss, nur weil sie ausgesprochen wurde.
Wenn du dich hier wiedererkennst
Wenn du das liest und innerlich nickst, dann bist du nicht allein. Vielleicht bist du einfach ein Mensch, der fühlt. Der offen ist. Der sich zeigt. Der Dinge nicht einfach an sich vorbeiziehen lässt.
Gerade Menschen mit Gefühl und Tiefe nehmen Worte oft stärker wahr. Nicht, weil sie schwach sind. Sondern weil sie feiner spüren.
Und das ist nichts, was man sich abgewöhnen muss. Es braucht nur einen liebevolleren Umgang damit.
Was du für dich mitnehmen kannst
Wenn dich das nächste Mal jemand kleiner macht, musst du nicht sofort reagieren. Du musst dich nicht direkt erklären und du musst auch nicht alles glauben, was über dich gesagt wird.
Atme erst einmal durch. Spür kurz hin, was es mit dir macht. Und dann frag dich ehrlich, ob das wirklich zu dir gehört oder ob da gerade etwas aus dem anderen heraus spricht.
Nicht jede Kritik ist wahr. Nicht jede Bemerkung verdient einen Platz in deinem Inneren. Nicht jede Abwertung braucht deine Zustimmung.
Manches darfst du prüfen und dann bewusst beim anderen lassen.
Du musst nicht härter werden. Oft reicht es, freundlicher mit dir selbst zu sein.
Und manchmal hilft schon dieser eine Satz: Das erzählt gerade mehr über ihn als über mich.
Von Herz zu Herz,
deine ImpulsStifterin 🩷