🎙️ Gelesen von mir - für dich.
Wenn du magst, schenk dir einen ruhigen Moment und hör dir diesen Beitrag von mir vorgelesen an. Lehn dich zurück, klick auf Play - und lass dich mitnehmen.
Es gibt Fragen, die tauchen nicht plötzlich auf.
Sie wachsen leise.
Über Jahre.
Diese hier gehört dazu.
Kann ein Mensch in einem staatlichen, politischen, gesellschaftlichen Kontrollsystem leben,
ohne seine Identität zu verlieren?
Ohne sich selbst zu verraten?
Ich trage diese Frage schon lange in mir.
Nicht aus Trotz.
Nicht aus Rebellion.
Sondern, weil etwas in mir früh begonnen hat, genauer hinzusehen.
Wenn Vertrauen nicht mehr leichtfällt
Viele vertrauen.
Der Regierung.
Den Entscheidungen.
Den Erklärungen.
Nicht, weil sie naiv sind, naja - vielleicht manchmal ;)
Sondern, weil Vertrauen entlastet.
Weil es beruhigt.
Weil es Sicherheit verspricht.
„Sie wissen schon, was sie tun.“
„Sie wollen uns doch nicht schaden.“
Ich habe diesen Satz oft gehört.
Und ich habe gemerkt:
Für mich trägt er nicht.
Nicht, weil ich alles besser wüsste.
Sondern, weil mein Inneres sich bei vielem nicht mehr beruhigen ließ.
Es war dieses Gefühl,
dass Freiheit und Selbstbestimmung nicht auf einmal verschwinden.
Sondern schrittweise.
Gut begründet.
Sanft verpackt.
Als Vernunft.
Und dass viele es erst merken,
wenn etwas in ihnen längst leiser geworden ist.
Mein eigener Weg – ein Stück hinaus
Ich habe mich deshalb über die Jahre ein Stück aus dem System herausbewegt.
Nicht komplett.
Nicht laut.
Aber bewusst.
Ich wollte Abstand.
Klarheit.
Luft.
Und ja – das hat mich etwas gekostet.
Verständnis.
Zugehörigkeit.
Manchmal auch innere Ruhe.
Denn draußen zu stehen macht nicht automatisch frei.
Es macht erst einmal wach.
Die Frage nach der Rückkehr
Und nun stehe ich an einem Punkt,
an dem ich wahrscheinlich zurückgehen werde.
In das System.
In die Strukturen.
Nicht, weil ich meine Haltung geändert habe.
Sondern, weil das Leben Bewegung verlangt.
Und genau hier wird die ursprüngliche Frage wieder lebendig:
Wie bleibe ich mir treu, wenn ich wieder Teil dessen werde,
dem ich innerlich kritisch gegenüberstehe?
Die Angst ist nicht, kontrolliert zu werden.
Die Angst ist, mich wieder zu gewöhnen.
Wo Selbstverrat wirklich beginnt
Ich glaube heute:
Selbstverrat beginnt nicht durch Gesetze.
Nicht durch Regeln.
Nicht einmal durch Einschränkungen.
Er beginnt dort,
wo wir innerlich aufhören, wach zu sein.
Wo wir nicht mehr fühlen,
sondern nur noch erklären.
Wo wir Zweifel unterdrücken,
um nicht anzuecken.
Wo wir uns sagen:
„Es ist halt so.“
„Ich kann ja doch nichts ändern.“
Das ist der Punkt,
an dem emotionale Erschöpfung entsteht.
Nicht, weil wir zu viel tun –
sondern weil wir uns innerlich zurückziehen.
Eine Erkenntnis, die mich trägt
Vielleicht ist das Entscheidende nicht,
wo wir leben.
Sondern wie bewusst.
Man kann Teil eines Systems sein
und sich innerlich trotzdem nicht verlieren.
Und man kann außerhalb leben
und innerlich längst aufgegeben haben.
Freiheit ist kein Ort.
Sie ist eine innere Haltung.
Sie zeigt sich darin,
-
ob wir uns unsere Fragen bewahren
-
ob wir unserem Körper mehr glauben als bloßen Worten
-
ob wir spüren, wann etwas nicht stimmig ist
-
und ob wir bereit sind, diese Spannung auszuhalten
ohne zu verhärten.
Ohne zu resignieren.
Eine Einladung
Vielleicht geht es für viele von uns nicht um Flucht oder Widerstand.
Sondern um Bewusstheit.
Darum, nicht alles zu übernehmen,
nur weil es offiziell ist.
Darum, nicht alles zu glauben,
nur weil es gut erklärt wird.
Und gleichzeitig nicht in Angst zu leben.
Nicht im Kampf.
Nicht im Dauer-Wachsam-Sein.
Selbstfürsorge heißt hier:
bei sich bleiben,
auch mitten im System.
Zum Schluss – ein Gedanke
Ein Kontrollsystem funktioniert nur dort vollständig,
wo Menschen innerlich müde werden.
Wo sie sich selbst nicht mehr zuhören.
Wo Anpassung bequemer ist als Wahrheit.
Solange wir fühlen,
zweifeln,
fragen
und uns selbst ernst nehmen,
bleibt etwas in uns unantastbar.
Vielleicht ist genau das
eine Form von Freiheit,
die uns niemand nehmen kann.
Alles Liebe
deine Impulsstifterin 💛