Zwischen Alt und Jung – warum jede Generation ein Geschenk für diese Welt ist

Warum Verstehen heilsamer ist als Bewerten

 

Manchmal sitze ich da und lausche Gesprächen. Zwischen Jung und Alt.

Zwischen „früher war alles anders“ und „ihr habt ja keine Ahnung mehr vom Leben“.

 

Und jedes Mal spüre ich eine leise Frage in mir hochkommen:

Geht es hier gerade um Recht oder Unrecht - 

oder um nicht gesehene Erfahrungen.

 

Wir leben in einer Zeit, in der Generationen sich oft gegenüberstehen –

statt sich gegenseitig zu halten. Dabei trägt jede von ihnen etwas Wesentliches in sich.

Etwas, das gebraucht wurde. Und gebraucht wird.

 

Dieser Artikel ist eine Einladung, Generationen nicht länger zu vergleichen oder abzuwerten –

sondern sie zu verstehen.

 


 

Was ich meine, wenn ich von Generationen spreche

 

Wenn ich hier von Generationen spreche, rede ich nicht nur von Zahlen oder Geburtsjahren.

Ich spreche von Menschen, die in bestimmte Zeiten hineingeboren wurden –

in bestimmte gesellschaftliche Stimmungen, politische Spannungen,

technologische Entwicklungen, kollektive Hoffnungen und Ängste.

 

Jede Zeit formt ihre Kinder.

 

Unsere Prägung entsteht früh.

In Kindheit und Jugend.

In dem, was selbstverständlich war – und in dem, was gefehlt hat.

 

Manches davon erleben wir bewusst, vieles wirkt unbewusst weiter.

 

Das Leben aber bleibt nicht stehen.

Krisen kommen. Umbrüche geschehen.

Werte verschieben sich. Sicherheiten bröckeln. Neues entsteht.

 

Wir alle erleben diese Veränderungen –

nur aus unterschiedlichen inneren Ausgangspunkten heraus.

 

Und genau dort beginnen die Missverständnisse.

Weil wir von unterschiedlichen Fundamenten aus sprechen.

Jede Generation trägt ihre eigene Geschichte

 

Die Generation X ist in einer Welt groß geworden, in der Trennung sichtbar war.

Politisch, gesellschaftlich, ideologisch.

Viele haben früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen.

Durchzuhalten. Nicht zu klagen, sondern zu funktionieren.

Stabilität war nichts Selbstverständliches.

Sie musste geschaffen werden. Oft mit viel Eigenleistung.

Das hinterlässt Spuren und es schenkt eine enorme Standhaftigkeit.

 

Ihr Geschenk an die Menschheit:

Durchhaltevermögen, Pragmatismus und die Fähigkeit, Brücken zu bauen.

 

Dann kam meine Generation – die Generation Y.

Uns wurde gesagt: „Du kannst alles werden.“

Das klingt nach Freiheit.  Aber es ist auch eine enorme Aufgabe.

Denn wenn alles möglich erscheint, fehlt manchmal die klare Richtung.

Wenn jeder Weg offen ist, fühlt sich keiner eindeutig an.

Ich kenne dieses innere Ziehen gut – dieses Gefühl,

dass etwas im Außen funktioniert, sich im Inneren aber nicht ganz stimmig anfühlt.

Unsere Suche nach Sinn ist unsere Herausforderung.

Sie ist Ausdruck davon, dass wir nicht nur leisten wollen –

sondern auch verstehen.

 

Ihr Geschenk:

Den Wunsch nach Sinn, Menschlichkeit und echter Verbindung.

 

Und dann sehe ich die Generation Z.

Aufgewachsen in einer Zeit, in der Krise nicht Ausnahme, sondern Dauerzustand war.

Klimawandel. Digitalisierung. Pandemie. Globale Unsicherheiten.

Sie haben gelernt, früh Fragen zu stellen.

Sie spüren schnell, wenn etwas nicht authentisch ist.

Und sie ziehen Grenzen. Das kann irritieren und unbequem sein.

Weil es alte Selbstverständlichkeiten infrage stellt.

Doch oft ist es ein sehr klares Gespür dafür, was nicht mehr trägt.

 

Ihr Geschenk:

Radikale Ehrlichkeit und der Mut, kaputte Systeme nicht länger zu beschönigen.

 

Und die ganz Kleinen – die Generation Alpha – nehmen Spannungen wahr,

bevor sie sie benennen können. Sie reagieren sensibel auf Atmosphäre.

Auf Druck. Auf Unstimmigkeit.

Sie passen nicht selbstverständlich in starre Strukturen,

weil sie mehr aus ihrer Intuition heraus handeln. 

Sie wachsen in einer Welt auf, in der alles gleichzeitig passiert.

Analog und digital. Nähe und Distanz. Sicherheit und Unsicherheit.

Wahrscheinlich sind sie deshalb so feinfühlig. 

 

Ihr Geschenk:

Intuition, Kreativität und emotionale Wahrheit.


 

Ein Ereignis – viele innere Welten

 

Die Pandemie hat das deutlich gemacht.

 

Generation X funktionierte weiter. Hielt Strukturen aufrecht.

Oft über die eigenen Grenzen hinaus.

 

Generation Y stand zwischen Existenz, Familie und der Frage:

Ist das wirklich das Leben, das ich führen will und mir für meine Familie wünsche?

 

Generation Z erlebte Isolation in einer Phase,

in der Begegnung essenziell gewesen wäre.

 

Generation Alpha spürt Unsicherheit – ohne sie einordnen zu können.

 

Dasselbe Ereignis - aber völlig unterschiedliche Erfahrungen.

 

Und genau hier beginnt Verständnis:

Wenn wir erkennen, dass wir dasselbe erlebt haben –

aber nicht dasselbe gefühlt.

 


 

Wenn Abwertung entsteht

 

Abwertung entsteht oft dort, wo eigene Erfahrungen nie wirklich gesehen wurden.

 

„Wir mussten da durch.“

„Wir hatten keine Wahl.“

 

Solche Sätze tragen Wahrheit in sich und jede Generation kann sie auf ihre Weise sagen.

Sie sind Erinnerungen, aber sie erzählen auch von etwas, das vielleicht nie vollständig verarbeitet wurde.

 

Wenn wir beginnen, Erfahrungen zu teilen und voneinander zu lernen,

statt gegeneinander aufzuwiegen, dann entsteht Verbindung.

 

Wir sollten uns nicht über den anderen stellen,

sondern stattdessen uns fragen:

Was hat dich geprägt?

Was war schwer für dich?

Was hat dich stark gemacht?

 

Dann entsteht aus echter Interesse, wahre Nähe, weil wir uns zuhören.

Mein Impuls

 

Keine Generation ist vollständig.

Keine ist überlegen.

 

Wir wachsen alle weiter – ein Leben lang.

 

Die Standhaftigkeit der einen.

Die Sinnsuche der anderen.

Die Klarheit der nächsten.

Die Intuition der Jüngsten.

 

All das gehört zusammen und wir können endlich anfangen voneinander zu lernen.

 

Die Älteren können erinnern, dass nicht alles sofort zerbricht.

Die Mittleren können fragen, ob das Funktionieren noch stimmig ist.

Die Jüngeren können uns zeigen, wo wir mutiger sein dürfen.

Und die Kleinsten erinnern uns daran, wie fein wir eigentlich fühlen.

 

Verbindung entsteht dort, wo wir aufhören, uns gegenseitig zu bewerten –

sondern einander wirklich zu begegnen. Nicht als Vertreter einer Generation.

Sondern als Menschen.

 

Alles Liebe,

deine ImpulsStifterin 💛

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